Blog

Firmenpolitik der „billigen Arbeitskräfte“

3 comments

Ich wurde gefragt, ob ich nich auch einmal etwas persönliches in diesen Blog einfließen lassen kann. Also, gefragt getan…

Es ist jetzt 03:28 Uhr morgens. Normaler weise würde ich noch schlafend im Bett liegen. Aber in letzter Zeit bewegen mich Ereignisse, die mir schlaflose Nächte bereiten.

Man kennt es. Probleme in der Beziehung, im Job oder mit der Familie. Mich hat diese Nacht folgendes beschäftig:

Wir leben alle in einer Gesellschaft, wo Erfolg sehr eng verbunden ist mit Leistung. Ich kann mich eigentlich nicht beklagen. Ich darf mich Manager Portale Produktmanager in einem großen Mobilfunkunternehmen schimpfen. Ich habe sehr gut zu tun, so dass ich teilweise echt ins Schleudern komme, um meine Arbeit überhaupt zu schaffen.

Aber wie defeniere ich Erfolg. Genau so wie Leistung zum Erfolg gehört, bin ich der Meinung, dass Leistung, die zum Erfolg fürht entsprechend honoriert werden muss. Leider sind mittlerweile viele Unternehmen dem Druck der Konkurrenz, dem Markt und ggf. den Eigentümern gegenüber verpflichtet immer gewinnorientierter zu handeln. So auch mein Arbeitgeber.

Ich kann es natürlich verstehen, denn die Gestzmäßigkeiten der Marktwirtschaft sind gegeben.

Nicht verstehen kann ich dagegen, dass Firmenpolitik so betrieben wird, dass eine Schere zwischen arm und reich entsteht. Die damit verbundene hohe Personalfluktuation, Weggang von Leistungsträgern, Qualifikation und die damit einhergehende Senkung der Motivation in der Belegschaft wird dabei einfach hingenommen.

Ich nehme mich mal als Beispiel. In dem Mobilfunkunternehmen, wo ich arbeite ist es gängige Politik hochwertiges, qualifiziertes Personal duch „billige Arbeitskräfte“ auszutauschen. Ja, genau so komme ich mir zur Zeit vor. Eine billige Arbeitskraft, der immer mehr Verantwortung bei gleichbleibendem Gehalt aufgetragen wird – Ich lehne diese Verantwortung weiß Gott nicht ab und bin froh, dass mir dieses Vertrauen entgegengebracht wird (spricht für meine Qualifikation) -. Mir macht die Arbeit ja auch Spaß.

In meiner unmittelbaren beruflichen Umgebung gehen immer mehr hoch qualifizierte Mitarbeiter. Sie sehen keine Zukunft, einen Laufbahnplan gibt es nicht und Gehaltsanpassungen, wenn es denn einmal eine geben sollte, decken nicht einmal die Inflationsrate. Meine Kollegen und da ist echt egal, mit wem ich da spreche, sind absolut demotiviert. Sie tun nur noch das Nötigste, um zu „Überleben“. Ich kann es gut verstehen und hoffe, dass noch viele gehen werden – Nicht, weil ich sie nicht mag!!! Nur, damit dieser „Laden“ in dem ich arbeite mal merkt, dass es so nicht weiter gehen kann.- Irgendwann muss diese Firmenpolik bestraft werden.

Zurück zu mir. Klar, erst vor etwas über einem Jahr, habe ich meine zweite Ausbildung abgeschlossen und ich kann weiß gott kein „riesen“ Gehalt verlangen. Auch habe ich mit Sicherheit den Fehler gemacht direkt nach meinem Abschluss in der selben Firma zu bleiben. Keine Frage! Aber wenn ich mich umschaue und umhöre, dann weiß ich, dass dieser Job mit dieser Verantwortung mindestens ein monatiliches Nettoeinkommen rechtfertigt, das doppelt so hoch ist, als das was ich jetzt bekomme. Nein, ich verrate nicht wie viel. Aber es ist Netto weniger als ein Bademeister, ein Fachman für Abfallwirtschaft oder Steuerfachangestellter usw. verdient. Ich kann nur behaupten, dass ich Netto mehr habe als Friseure. Ich kann das wirklich behaupten, denn ich war Steuerfachangestellter und weiß ziemlich genau, was diese und noch viele andere Berufsgruppen im Durchschnitt bekommen.

Ich habe bereits des öffteren mit meinem direkten Vorgesetzen über meine Situation (hohe Verantwortung, gute Leistung, 30 Jahre, Familienplanung und kein angemessenes Einkommen) gesprochen. Scheinbar ist man mit meiner Leistung absolut zufieden und auch für ein höheres Gehalt will man sich einsetzen. Gut, aber „Hinhaltetaktik“ wird eben so groß geschrieben wie die Firmenpolitik der „billigen Arbeitskräfte“. Jetzt soll es aber angeblich konkreter werden. Ich bin gespannt.

Eine Gehaltserhöung werde ich bekommen, so viel steht fest; denn ich habe bestimmt mehr als deutlich gemacht, dass es ohne für mich deutlich andere Perspektiven gibt. Außerdem ist mein Arbeitgeber der Laden froh, wenn er mich behalten kann. Denn auch mit einer Gehaltserhöung, bin ich immer noch eine billige Arbeitskraft.

Anfang Q4 wird man auf mich zukommen und mich fragen, ob ich nicht noch mehr Verantwortung übernehmen möchte. Ich werde auch hier nicht nein sagen, aber irgendwann wird es weh tun, wenn auch meine Kompetenz abwandert. Bei uns ist es auch üblich, dass man 2 Jahre Leute sucht, bis man einen „Dummen“ gefunden hat, der sich für diesen Hungerlohn auf den entsprechenden Stuhl setzt.

Tja, diese und noch viele andere „Machenschaften“ in diesem „Laden“ lassen mich nicht schlafen. In letzter Zeit immer weniger. All meine Freunde, die mit 40.000 (wohl gemerkt: Berufseinsteiger) nach hause gehen, lachen mich aus. Ich kann dem Druck standhalten, so ist das nicht und ich wiederhole es gerne; „Ich liebe meinen Job“

Die Situation meiner unmittelbaren Umgebung bringt mich nun noch mehr in die Pflicht, ich habe ein großes „leeres“ Aqarium, das ich nicht befüllen kann (kein Geld), die steigenden Lebenshaltungskosten und die Vorsoge für die Rente und dabei kaum Freizeit zu haben, lassen mich gegenüber einem Hartz IV Empfänger alt aussehen. Er hat zwar weniger Geld als ich, kommt aber auch über die Runden und hat ohne Ende Freizeit. Soll jetzt nicht diskeminierend sein!!!

Zur Erinnerung: Ich bin Manager Portale Produktmanager in einem großen Telekommunikationsunternehmen. Dass ich nicht lache…

Falls das jemand aus der Geschäftsführung ließt, dabei ist es egal aus welchem Unternehmen, dann macht Euch mal gedanken, ob Eure Politik die richtige ist. Irgendwann ist die Kompetenz abgewandert und dann schwimmt Ihr nur noch hinter her!

So! 7:15 Uhr!

Nein, ich habe nicht so lange an diesem Artikel geschrieben. Nebenbei habe ich auch noch andere Sachen gemacht…

Jetzt schnell unter die Dusche, Kollegen abholen und ab zur Arbeit…

*…*

JerretFirmenpolitik der „billigen Arbeitskräfte“

3 comments

Join the conversation
  • rente-allgemein | Re: von mir aus auch 10000 - aber dafür keine rente - Hartz-IV-Software: Alternativen zu A2LL … - 26. Juli 2008 reply

    […] > > 1. damit die Posten auch für qualifizierte Leute interessant wird Zum einen ist für viele Politiker das Ausüben von Macht wesentlich interessanter als das Gehalt, zum anderen verdienen die schon […]

  • eldersign - 14. Juli 2008 reply

    Warum verkaufst du dich unter Wert? So toll ist doch kein Job, dass man ewig bleibt, obwohl das Gehalt nicht mal annähernd stimmt. Schau Dich um, ob andere Firmen deine Leistung besser einschätzen können – und auch entsprechend entlohnen. Und wenn Du was findest – geh!

    Ich hab´s so gemacht, und nicht bereut.

  • Jonas - 14. Juli 2008 reply

    Genau Deiner Meinung. Dir alles Gute.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.